Dagegen handelt es sich bei der Jagd
normalerweise um einen gut platzierten Einzelschuss auf deutlich kürzere Entfernung. Um diese jagdliche Schussentfernung zu erreichen, bedurfte es der Fähigkeit, dem Wild nahe genug zu kommen. Diese Fähigkeit zur Annäherung an jagdbares Wild gilt auch heute noch als ein wesentliches Merkmal der Jagd mit Pfeil und Bogen.
Im kontinentalen Europa und speziell bei uns in Deutschland hat der Bogen aber schon im Mittelalter an Bedeutung verloren; er wurde von der Armbrust abgelöst, die einen nicht so hohen Trainigsaufwand erforderte, dafür aber eine deutlich niedrigere Schussfrequenz aufwies. Die Armbrust gehörte vor allem auch zur Bewaffnung der Bürgerwehren der aufstrebenden Städte, und viele der alten heutigen Schützenvereine haben bei diesen Milizen ihren Ursprung.
Das Bogenschießen blieb zwar bekannt und gehörte noch lange Zeit zur Ausbildung des Adels. So ist Kaiser Maximilian I. (15. / 16. Jahrhundert) im „Weißkunig“ mehrfach als jagdlicher Bogenschütze abgebildet. Zu der Zeit wurde der Bogen vor allem zur Jagd auf Federwild eingesetzt. Allerdings verstand man lange Zeit, vom Mittelalter bis zum Ende der Feudaljagd in Deutschland 1848, unter Jagd in erster Linie die „Hohe Jagd“ des Hochadels auf „Hochwild“ (= alles Schalenwild außer Rehwild, Auerwild, Stein- und Seeadler; alles andere ist Niederwild), die in erster Linie als Parforce-Jagd mit Hundemeute und zu Pferd durchgeführt wurde. Dabei wurde das Wild irgendwann gestellt und mit der Kalten Waffe abgefangen. Daher benötigte man für diese Jagd keine Distanzwaffen wie Pfeil und Bogen. Da dem gemeinen Volk die Jagd sowieso verboten war und, wenn sie als Wilderei ausgeübt wurde, sich wohl eher auf die Fallenstellerei beschränkte, war eine Tradition des Bogenschießens bei uns nicht mehr vorhanden, als nach 1848 auch Nichtadelige die Jagd ausüben durften.
Dass bei uns die Kenntnis des Bogenschießens nicht über den Flitzebogen für Kinder hinausreichte, klingt schon bei Dr. Gustav Klemm ( „Die Werkzeuge und Waffen – Ihre Entstehung und Ausbildung“, Verlag G. Reuse 1858) an, der vormalige Direktor des Völkerkundemuseums in Leipzig Prof. Dr. Karl Weule bedauerte es 1910 zutiefst („Kulturelemente der Menschheit“, Kosmos, Franckh´sche Verlagshandlung 1910).
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